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Gesine Camilo 350Morgen geht es für Camilo und seiner Trainerin Gesine nach Tallinn zu den U20 Europameisterschaften. 7 ½ Runden mit jeweils 4 Hindernissen und einer Höhe von 91,4 cm sowie einem Wassergraben sind dann am Freitag 17 Uhr (unserer Zeit) bei seinem Steeplelauf zu bewältigen. Ein Exot ist Camilo nicht nur in seiner Trainingsgruppe, sondern auch im Verein und dennoch ist in seiner Kategorie in der Schweiz niemand schneller. Nun vertritt Camilo die Schweiz in Tallinn (Estland) bei der U20 Europameisterschaft vom 15. bis 18. Juli.

 

Vor zwei Jahren entschied Camilo gemeinsam mit Gesine, sich auf Steeple zu konzentrieren. Über ein Jahr lang bereitete sie ihn auf diese Disziplin vor, sodass er bei den Schweizer Meisterschaften im Juni 2020 sein Debüt über die 2000m Steeple gab und auf Anhieb Vizemeister wurde sowie knapp die U18 EM Limite verpasste. Obwohl Corona viele Einschränkungen in den Trainingsbedingungen und die Absagen vieler Wettkämpfe mit sich brachte, konnte sich Camilo dank der tollen Unterstützung der Sportanlagen AG Wallisellen und unseres Vereins steigern und so den Anschluss an die Schweizer Elite schaffen und das Ziel für 2021 ebnen. Die Trainings wurden über den Winter optimiert und intensiviert, sodass die Qualifikationszeit für die Europameisterschaft 2021 immer realistischer wurde. Bis zu dem Tag im Februar, als Camilo vor Schmerzen beim Rennen umfiel, sich am Oberschenkel fasste und kein Schritt mehr gehen konnte – Diagnose Oberschenkelzerrung. «Das war sehr eine schwierige Situation und Zeit für uns. Plötzlich stand alles wieder bei null. Für Camilo brach in dem Moment eine Welt zusammen, weil wir nicht wussten, wie schnell der Oberschenkel heilt.», so Gesine. Vier Wochen lang war an kein normales Training mehr zu denken, sodass bis Anfang April kaum einer wusste, ob Camilo überhaupt die EM-Limite laufen könne. Die Anspannung wuchs spürbar.

Am 15. Mai ging es dann zum Testwettkampf nach Karlsruhe (Deutschland), obwohl die Ausgangwerte im Training nicht optimal waren. Dennoch zeigte Camilo einen guten Lauf in 9:21,84 min und der Optimismus wuchs. Nach einem deutlichen Sieg über die 2000m Steeple bei den Schweizer Meisterschaften Anfang Juni folgte eine Woche später der Start in Dortmund (Deutschland). Früh am Morgen ging es für Camilo und seine Trainerin los, um am Abend den 3000m Steeple Lauf zu bestreiten. Aufgrund der Coronamassnahmen waren die Bedingungen nicht optimal, mussten die jeweils siebenstündige Zugfahrt und der Wettkampf doch innerhalb von 24 Stunden bestritten werden, um nicht unter die Quarantänevorlagen «zum Opfer» zu fallen. Den widrigen Bedingungen zum Trotz konnte Camilo von Runde zu Runde sein Tempo steigern. Knapp 600m vor dem Ziel kam dann sein Antritt und er baute seinen Vorsprung auf den Zweitplatzierten stetig aus, sodass der Jubelschrei im ganzen Stadion und im Live-Stream von Beiden hörbar war, als Camilo über die Ziellinie lief und die Uhr bei einer Zeit von 9:10,29 min (EM-Limite 9:15,00 min) stehen blieb und sich die Beiden vor Freude in die Arme fielen. «Es ist ein super Erfolg und ein tolles Gefühl, aber auch eine grosse Erleichterung beim Zieleinlauf. Auf diesen Moment haben wir monatelang hingearbeitet.», so der junge SSCler. Für Feiern und Erholung blieb aber wenig Zeit. Am Morgen nach dem Abendlauf in Dortmund folgte bereits wieder ein Training für die Vorbereitung auf die EM, um die letzten harten Trainingseinheiten in Angriff zu nehmen. Neben Bergläufen und Läufen auf der Bahn wurde dabei viel an der Sprintschnelligkeit und der Hürdentechnik gefeilt. «Die letzten Monate waren sehr hart. Ich hatte ständig Muskelkater und oft musste ich auch im TrainingCamilo Wassergraben 350 an meine psychischen und physischen Grenzen gehen. Gerade wenn wir lange und schnelle Einheiten machen, ist der Schmerz ein ständiger Begleiter.»

Kurz vor der EM werden Camilos Trainingseinheiten lockerer. Noch immer wird täglich trainiert, auch wenn die Umfänge nicht mehr so gross sind. Zusammen
mit seinen Trainingskollegen aus der Leistungsgruppe werden die letzten gemeinsamen Trainingsstunden genossen. «In erster Linie möchte ich in Tallinn ein gutes Rennen zeigen, Erfahrungen sammeln und eine neue persönliche Bestleistung aufstellen. Ich bin dort einer der Jüngsten. Der Einzug ins Finale wäre daher sensationell, aber man kann im Vorfeld nie wissen, in welchem Lauf ich eingeteilt bin und ob der Lauf schnell oder eher taktisch wird.», gibt Camilo zu bedenken. Auch die Ziele für das nächste Jahr sind schon klar definiert und die Limite für die U20 Weltmeisterschaft in Kolumbien ist klar vor Augen. Wieweit das Wettkampfglück Camilo in Tallinn hold ist, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch in den Sternen. Aber viele SSCler, Freunde und Bekannte werden in der Schweiz die Daumen drücken und am Freitag vor dem Bildschirm mitfiebern. Wir wünschen den Beiden viel Erfolg bei dieser spannenden ersten grossen Reise im Schweizer Nati-Trikot. Hopp Camilo! Hopp Schwiiz!

 Die U20 EM könnt hier live verfolgen:

- UBS Athletics Fan Hub

- European Athletics

Startzeiten:

Vorlauf: Freitag, 16. Juli - 17:00 Uhr 
Endlauf: Sonntag, 18. Juli - 16:20 Uhr